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Zoll auf Billigimporte: Temu und Shein werden teurer

Millionen von Paketen mit günstigen Waren aus Asien erreichen die EU täglich. Eine neue Regelung beendet die Zollfreiheit für Sendungen unter 150 Euro, was zu höheren Kosten für Verbraucher führen dürfte.

News Veroeffentlicht 1 Juli 2026 4 Min. Lesezeit Leonie Weber
Pakete werden im internationalen Postzentrum am Frankfurter Flughafen bearbeitet.
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Millionen von Paketen mit Online-Schnäppchen von Anbietern wie Temu und Shein aus Asien treffen täglich in der Europäischen Union ein. Bislang waren Sendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro von der Zollgebühr befreit. Diese Regelung ist nun ausgelaufen, was für Verbraucher höhere Kosten bedeutet.

Neue Zollpauschale

Ob Modeartikel, Elektronikzubehör oder Spielzeug – wer künftig günstige Waren außerhalb der EU bestellt, muss mit zusätzlichen Abgaben rechnen. Die bisherige Ausnahme für Lieferungen unter 150 Euro entfällt. Stattdessen wird pro Warengruppe in einer Sendung eine pauschale Zollgebühr von drei Euro erhoben. Das bedeutet konkret: Wenn ein Paket drei verschiedene T-Shirts im Gesamtwert von 30 Euro enthält, fallen zusätzlich drei Euro Zoll an. Enthält dasselbe Paket zusätzlich ein günstiges Kinderspielzeug, kommen weitere drei Euro Zollgebühr hinzu, sodass sich die Gesamtzollkosten auf sechs Euro summieren.

Weitergabe der Kosten an Verbraucher

Obwohl die Europäische Kommission erklärt, dass Händler oder Importeure für die Anmeldung und Zahlung der Abgaben verantwortlich sind, besteht die Möglichkeit, dass diese Kosten an die Endverbraucher weitergereicht werden. Gerade bei sehr günstigen Produkten können diese zusätzlichen Gebühren ins Gewicht fallen, wie das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland warnt.

E-Commerce-Expertin Karolin Junker de Neui von der Digitalberatung Etribes geht davon aus, dass die Anbieter die Kosten nicht selbst tragen werden. Vielmehr sei zu erwarten, dass die Preise auf den Plattformen steigen und die Mehrkosten somit überwiegend bei den Konsumenten landen. Auch Lars Hofacker vom Handelsforschungsinstitut EHI rechnet damit, dass die zusätzlichen Kosten zumindest teilweise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden, da bei sehr niedrigpreisigen Artikeln der Spielraum für Preiserhöhungen begrenzt ist.

Plattformen schweigen

Die chinesischen Online-Shoppingportale Shein und Temu haben auf Anfragen zum Umgang mit den neuen Zöllen bislang nicht reagiert. Es wird jedoch vermutet, dass sie die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben werden.

Hintergrund der Neuregelung

Die EU-Kommission hat die Neuregelung eingeführt, um den heimischen Handel zu schützen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Im vergangenen Jahr kamen laut EU-Kommission 5,9 Milliarden Sendungen mit einem Wert von jeweils unter 150 Euro in der EU an. Dies entspricht etwa 16 Millionen Paketen pro Tag, auf die zuvor kein Zoll erhoben wurde. Mehr als 90 Prozent dieser Sendungen stammten laut einem hochrangigen EU-Beamten aus China.

Übergangslösung bis 2028

Die pauschale Zollgebühr gilt voraussichtlich bis zum 1. Juli 2028. In dieser Zeit soll eine neue digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle entwickelt werden. Nach deren Inbetriebnahme sollen wieder die üblichen Zollsätze gelten, die sich nach Warenwert, Ursprung und Wareneinstufung richten.

Handlungsempfehlung für Verbraucher

Der deutsche Zoll rät Verbrauchern, vor einer Bestellung in einem Nicht-EU-Staat die Geschäftsbedingungen des Verkäufers zu prüfen. Dort sollte ersichtlich sein, ob die pauschale Zollabgabe bereits im Verkaufspreis enthalten ist oder ob die Zollabwicklung vom Käufer selbst übernommen werden muss. In der Regel übernehmen Post- oder Kurierdienste die Zollabwicklung und legen die Einfuhrabgaben vor.

Wichtige Fakten

Aspekt Details
Alte Regelung Zollfrei für Sendungen unter 150 Euro
Neue Regelung 3 Euro pauschale Zollgebühr pro Warengruppe
Geltungsdauer Voraussichtlich bis 1. Juli 2028
Betroffene Anbieter Vor allem Online-Plattformen aus Asien wie Temu und Shein

Die Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf deutsche Verbraucher, die häufig günstige Produkte online bestellen. Die zusätzlichen Kosten durch die Zollgebühren könnten die Attraktivität von Plattformen wie Temu und Shein verringern und den heimischen Einzelhandel entlasten. Es ist ratsam, die Gesamtkosten inklusive aller Abgaben vor einer Bestellung genau zu prüfen.

Quelle: Der Spiegel Kultur (https://www.spiegel.de/wirtschaft/temu-shein-co-auf-billiglieferungen-aus-asien-wird-jetzt-zoll-faellig-a-1d7879a6-f2a6-4a55-b808-5be665d0b3c2#ref=rss)

Quelle

Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-07-01T00:07:00+00:00