Zum Inhalt springen
Kino, Stars, Streaming und Entertainment-News aus Deutschland.
News

Hausärzte fordern härtere Gangart gegen unseriöse Videosprechstunden statt Abschaffung der Telefon-Krankschreibung

Der Hausärzteverband kritisiert die Pläne der Koalition zur Verschärfung der Krankschreibungsregeln. Statt die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, sollten Anbieter von Videosprechstunden stärker reguliert werden.

News Veroeffentlicht 4 Juli 2026 3 Min. Lesezeit Leonie Weber
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegt auf einem Schreibtisch neben einem Stethoskop.
Imagen destacada del articulo fuente

Die Koalition plant eine Verschärfung der Regeln für Krankschreibungen, um Fehlzeiten am Arbeitsplatz einzudämmen. Kern der Pläne ist die Einführung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bereits ab dem ersten Krankheitstag, anstatt wie bisher üblich ab dem vierten Tag. Zudem soll die seit Ende 2023 unter bestimmten Bedingungen mögliche telefonische Krankschreibung wieder abgeschafft werden.

Diese Maßnahmen stoßen auf Kritik des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Dessen Bundesvorsitzende, Nicola Buhlinger-Göpfarth, bezeichnete die Pläne der Regierung in einem Gespräch mit der „Rheinischen Post“ als „reine Symbolpolitik“. Sie argumentiert, dass die geplanten Änderungen weder den Krankenstand senken noch Missbrauch verhindern würden.

Por que importa

Hausärzte fordern stattdessen ein Vorgehen gegen Anbieter von Videosprechstunden. Buhlinger-Göpfarth sieht hier das eigentliche Problem: „Wenn irgendwo großes Missbrauchspotenzial liegt, dann bei anonymen Plattformen, die damit Profit machen und ihre Kunden nicht einmal kennen. Dort ist Betrug Tür und Tor geöffnet und nicht in unseren Praxen!“ Diese Anbieter würden teils aggressiv mit schnellen Krankschreibungen werben.

Die telefonische Krankschreibung hingegen berge laut Buhlinger-Göpfarth nicht mehr Missbrauchspotenzial als ein normaler Praxisbesuch. Dies liege daran, dass sie an die Voraussetzung geknüpft ist, dass die Praxis die Patientinnen und Patienten kennt.

Contexto

Wichtige Fakten

Punkt Beschreibung
Geplante Neuregelung AU ab dem ersten Krankheitstag, Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
Kritik Hausärzteverband Pläne sind „reine Symbolpolitik“, fordern Regulierung von Videosprechstunden-Anbietern.
Begründung Koalition Eindämmung von Fehlzeiten und Krankentagen.
Alternative Vorschläge Fokus auf unseriöse Videosprechstunden statt Einschränkung der telefonischen Krankschreibung.

Die Koalition, bestehend aus Union und SPD, begründet die angestrebten Änderungen mit einer Zunahme der Krankentage. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“, dass es nicht darum gehe, dass Arbeitnehmer am ersten Tag zum Arzt müssten, sondern dass sie ab dem ersten Tag eine AU vorweisen können.

Allerdings ist die genaue Ausgestaltung der verschärften Krankmeldung noch unklar. Regierungssprecher Stefan Kornelius stellte klar, dass eine verpflichtende AU ab dem ersten Tag nicht zwingend einen Arztbesuch am selben Tag erfordere. SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis mahnte, dass tiefgreifende Änderungen bei Arbeitsunfähigkeitsregelungen auf einer soliden wissenschaftlichen und empirischen Grundlage basieren müssten. Derzeit gebe es keine Belege dafür, dass die telefonische Krankschreibung ursächlich für einen Anstieg der Krankenstände sei.

Es gibt breiten Protest gegen die Pläne, insbesondere weil befürchtet wird, dass mehr Kranke direkt in ohnehin überlastete Praxen strömen würden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) plädierte für pragmatische Lösungen bei der Umsetzung. Er betonte die Wichtigkeit, zwischen einer AU „am“ ersten Tag und einer AU „für“ den ersten Tag zu unterscheiden und schlug vor, dass Arbeitnehmer auch erst am zweiten oder dritten Tag zum Arzt gehen könnten, aber für die vorhergehenden Tage eine Bescheinigung erhielten.

Die Debatte um die Krankschreibung und die Rolle von Videosprechstunden berührt direkt die Patientenversorgung und die Belastung des Gesundheitssystems. Während die Politik versucht, den Krankenstand zu reduzieren, sehen Mediziner und Patientenvertreter die Gefahr, dass notwendige Arztbesuche erschwert und missbräuchliche Praktiken übersehen werden könnten. Die Forderung des Hausärzteverbandes nach einer stärkeren Regulierung von Online-Anbietern könnte eine ausgewogenere Lösung darstellen, die sowohl Missbrauch bekämpft als auch den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtert.

Quelle: Der Spiegel Kultur, https://www.spiegel.de/wirtschaft/wildwuchs-bei-videosprechstunden-stoppen-dafuer-telefon-krankschreibung-beibehalten-a-9b037474-d8fa-442b-88ad-57265484a2ab

Quelle

Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-07-03T22:57:00+00:00