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Vom Call-in-TV zum HD-Pionier: Ein Blick auf verschwundene deutsche Sender

Ein Rückblick auf deutsche Fernsehsender, die einst das Programm prägten, aber heute nur noch in Erinnerung leben – von Musikkanälen bis zu Erotiksendern.

News Veroeffentlicht 5 Juli 2026 4 Min. Lesezeit Leonie Weber
Collage mit Logos von TV-Sendern wie 9Live, Viva, Astro TV, TV6, Yavido und BR alpha
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Die deutsche Fernsehlandschaft ist einem stetigen Wandel unterworfen. Viele Sender, die einst zum festen Bestandteil des Programms gehörten, sind längst von der Bildfläche verschwunden. Dieser Artikel wirft einen Blick auf einige dieser vergessenen Kanäle und ihre Geschichten.

Vom Esoterik-Kanal zur Online-Ausrichtung

Astro TV, bekannt für sein Programm rund um Astrologie und Esoterik, ging am 14. Juni 2004 auf Sendung. Nach über 20 Jahren wurde der Sendebetrieb über Satellit und Kabel am 27. Dezember 2024 eingestellt. Das Unternehmen kündigte an, sich künftig stärker auf das Internet zu konzentrieren.

Musiksender jenseits des Mainstreams

Der deutsche Musiksender Yavido, gegründet im Oktober 2005 in Hamburg, konzentrierte sich auf abseits des Mainstreams angesiedelte Musikrichtungen wie Black Music und Dance. Bemerkenswert war auch seine Bildgestaltung mit Einblendungen von Werbung für Klingeltöne. Ein weiterer Musiksender war Jamba! TV, der im September 2005 startete und bis 2010 auf Sendung war. Eng verbunden mit einem Klingeltonanbieter, fiel er durch Dauerwerbung für Klingeltöne und Handyspiele auf. Der Sender wurde schrittweise ab 2009 abgewickelt und 2010 umbenannt, bevor der Sendebetrieb am 30. September 2012 eingestellt wurde.

9Live und die Kritik an Gewinnspielen

9Live entstand am 1. September 2001 aus dem Spartensender tm3 und galt zeitweise als profitabelster deutscher Fernsehsender. Sein Erfolg basierte maßgeblich auf Call-in-Gewinnspielen, die rund um die Uhr ausgestrahlt wurden. Kritisiert wurde vor allem die Art dieser Gewinnspiele. Am 9. August 2011 wurde 9Live eingestellt.

Österreichische Sender und ihre Entwicklung

Austria 9, ein frei empfangbarer österreichischer Privatsender, startete am 12. Dezember 2007 mit dem Ziel, ein Vollprogramm für die ganze Familie zu bieten. Er zeigte Teleshopping, Magazine und am Abend Filme und Serien. Im April 2012 übernahm die ProSiebenSat.1-Gruppe den Sender und schaltete auf dem Kanal die Österreich-Version von Sixx auf.

Der Sender „Tourismus und Wetter 1“ (TW1) nahm im Dezember 1997 seinen Betrieb auf und basierte auf Wetterkameras. Ursprünglich ein Gemeinschaftsunternehmen des Kamerabetreibers und des ORF, ging er 2005 vollständig in den Besitz des ORF über. Trotzdem musste TW1 privat finanziert werden. Ab Mai 2000 wurde er auch für die Ausstrahlung von Sport genutzt. Das Ende von TW1 kam am 26. Oktober 2011 mit dem Start der Programme ORF III und ORF Sport+.

Viva und seine Nachfolger

Der deutsche Musiksender Viva wurde am 1. Dezember 1993 als Konkurrenz zu MTV gegründet und bot auch Musikschaffenden aus dem deutschsprachigen Raum eine Plattform. Sein Erfolg führte 1995 zum Start von Viva 2, der sich mit einem alternativen Musikstil an eine erweiterte Zielgruppe richtete. Viva 2 wurde bereits 2002 durch Viva Plus ersetzt, einen interaktiven Musiksender, der die Musikzusammenstellung per SMS beeinflussen ließ. Viva Plus wurde 2007 eingestellt. Viva wurde Teil des Viacom-Konzerns und musste sich ab 2014 den Sendeplatz mit Comedy Central teilen. Mit dem 31. Dezember 2018 wurde Viva zugunsten des US-Senders komplett eingestellt.

Bildung und HD-Fernsehen

BR alpha startete am 7. Januar 1998 als Bildungs- und Informationssender des Bayerischen Rundfunks. Am 29. Juni 2014 wurde er in ARD alpha umbenannt und zeigte fortan auch Inhalte anderer ARD-Anstalten.

Der belgische Sender Euro1080, der am 1. Januar 2004 in Betrieb ging, war der erste europäische TV-Sender in HD-Auflösung. Er diente dazu, Händlern die Leistungsfähigkeit von Full-HD-Fernsehern zu demonstrieren. Inhaltlich konnte er jedoch nicht mit etablierten Sendern mithalten und geriet zusammen mit seinen Nachfolgern schnell in Vergessenheit.

Ein Erotiksender mit Kultstatus

TV6 aus Linz war ein Erotiksender, der pornografische Inhalte ausstrahlte, teils auch unverschlüsselt. Gestartet am 1. September 2003, endete der Sendebetrieb nach etwas über zwei Jahren am 23. September 2005. Bekannt wurde der Sender auch durch seinen Besitzer, Peter Stolz, den damaligen „Bordell-Kaiser“ von Linz, der im Fernsehen zum Spenden aufrief und mit seinem Dialekt in Erinnerung blieb.

Wichtige Fakten

Sender Startdatum Enddatum Anmerkungen
Astro TV Juni 2004 Dezember 2024 Fokus auf Astrologie und Esoterik, Umorientierung ins Internet.
9Live September 2001 August 2011 Bekannt für Call-in-Gewinnspiele.
Viva Dezember 1993 Dezember 2018 Musiksender, wurde durch Comedy Central ersetzt.
Euro1080 Januar 2004 Unbekannt Erster europäischer HD-Sender.
TV6 September 2003 September 2005 Erotiksender aus Linz.

Diese Rückblicke zeigen, wie dynamisch die Medienlandschaft ist und wie Sender kommen und gehen. Für Zuschauer, die diese Kanäle verfolgt haben, mag dieser Artikel eine nostalgische Erinnerung sein, während er jüngeren Zuschauern einen Einblick in die TV-Geschichte gibt. Die Entwicklung von reinen Erotiksendern hin zu HD-Pionieren und spezialisierten Spartenkanälen spiegelt den technischen Fortschritt und die sich ändernden Publikumsinteressen wider.

Quelle: Digital Fernsehen – TV-Friedhof: Von 9Live bis zum „Bordell-Kaiser“ von TV6 (https://www.digitalfernsehen.de/news/empfang/satellit/tv-friedhof-von-9live-bis-zum-bordell-kaiser-von-tv6-1178724/)

Quelle

Digital Fernsehen Originalveroeffentlichung: 2026-07-05T21:39:00+00:00