Zum Inhalt springen
Kino, Stars, Streaming, Serien und Entertainment-News aus Deutschland.
News

Taliban gehen im Westen Afghanistans mit Gewalt gegen Frauen ohne Ganzkörperschleier vor

Berichte aus Herat schildern Festnahmen und Einschüchterungen von Frauen, die sich nicht an die strengen Kleidungsvorschriften der Taliban halten. Die UN zeigt sich besorgt über die Menschenrechtslage.

News Veroeffentlicht 11 Juni 2026 4 Min. Lesezeit Leonie Weber
Gruppe von Frauen in Afghanistan, die von Taliban-Aufsehern beobachtet werden
Imagen destacada del articulo fuente

Im Westen Afghanistans scheinen die Taliban die Kleidungsvorschriften für Frauen mit zunehmender Härte durchzusetzen. Augenzeugen berichten von Festnahmen und Einschüchterungen von Frauen in der westlichen Stadt Herat, die sich angeblich nicht an die Vorschriften für Ganzkörperschleier gehalten haben. Die Vereinten Nationen (UN) haben sich besorgt über die Berichte geäußert.

Gewaltsame Durchsetzung der Kleiderordnung

Die Vereinte Nationen Mission in Afghanistan (UNAMA) zeigte sich am Sonntag besorgt angesichts „mehrerer Festnahmen und Inhaftierungen“ von Frauen in Herat. Grund für die Maßnahmen sei die „angebliche Nichteinhaltung der Kleiderordnung“, hieß es in einer Mitteilung.

Laut der Nachrichtenagentur AP hatten Imame am Freitag in den Moscheen von Herat angekündigt, dass Frauen ab sofort nur noch mit einem Ganzkörperschleier das Haus verlassen dürften. Kurz darauf begannen offenbar die Kontrollen auf den Straßen.

Zeugen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollten, berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass am Samstag Frauen festgenommen wurden, weil sie keine Ganzkörperschleier wie den Tschador oder die Burka trugen. Eine 23-jährige Frau schilderte, wie sie beobachtet habe, wie zwei Mitarbeiter des Ministeriums für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters – einer davon mit einer Peitsche – „zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug setzten“. Diese Frauen hätten lediglich ein muslimisches Kopftuch getragen. „Alle haben Angst“, fügte die Zeugin hinzu.

Eine andere Frau berichtete, dass Beamte des Ministeriums Autos angehalten und die Kleidung der Insassen überprüft hätten. Mehrere Frauen seien daraufhin in Transporter gesetzt worden.

Reaktion der Taliban

Das Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Festnahmen. Später hieß es aus der Pressestelle, dass es in Herat „nichts Ungewöhnliches“ gebe. Die Kleiderordnung sei „ein göttliches Gebot und ein geltendes Gesetz, und wir sind verpflichtet, sie durchzusetzen“, erklärte das Ministerium.

Auswirkungen auf das öffentliche Leben

Ein AFP-Journalist berichtete, dass sich aufgrund der Festnahmen viele Frauen nicht mehr auf die Straße wagen. Ein 20-jähriger Taxifahrer sagte, dass in der Stadt kaum noch Frauen zu sehen seien. Taxifahrer seien angewiesen worden, „keine Frauen ohne Tschador mehr zu befördern“.

Einschränkung der Frauenrechte

Die Taliban hatten im Jahr 2021 nach dem Abzug der internationalen Truppen die Macht in Afghanistan zurückerlangt. Anfängliche Ankündigungen, liberaler zu regieren als während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001, wurden schnell widerlegt. Die Rechte von Frauen und Mädchen wurden seither drastisch eingeschränkt. Sie sind weitgehend aus dem öffentlichen Raum verbannt, der Besuch weiterführender Schulen ist ihnen untersagt und ihre Arbeitsmöglichkeiten sind stark begrenzt.

Ein Anfang des Jahres verabschiedetes Gesetz legalisiert praktisch Gewalt gegen Frauen. Es regelt in 119 Artikeln, wer bei vermeintlichem Fehlverhalten Strafen verhängen darf. Artikel 4 besagt, dass jeder, der eine „Sünde“ beobachtet, vor Ort eine korrigierende Strafe verhängen darf. Feste Strafen kann ein Imam anordnen, Ermessensstrafen auch ein Ehemann. Selbst Misshandlungen mit Knochenbrüchen werden nur mit 15 Tagen Haft geahndet.

Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte im März, das Dekret legitimiere „Gewalt gegen Frauen und Kinder“ und warnte, Afghanistan sei „ein Friedhof für Menschenrechte“. Das Gesetz sieht zudem harte Strafen gegen Andersdenkende vor. Beleidigung des Taliban-Führers Hibatullah Akhundzada kann mit 39 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Für Menschen, die der „Gesellschaft als Ganzes Schaden zufügen“, droht die Todesstrafe, wozu auch homosexuelle Menschen gezählt werden.

Warum das wichtig ist

Die Entwicklungen in Afghanistan, insbesondere die erneute Verschärfung der repressiven Maßnahmen gegen Frauen, sind von großer Bedeutung. Sie zeigen, wie die Taliban ihre Herrschaft durch die systematische Einschränkung von Grundfreiheiten festigen. Für die internationale Gemeinschaft und Menschenrechtsorganisationen sind dies alarmierende Zeichen, die weitere Bemühungen zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung und zur Einhaltung universaler Menschenrechte erfordern.

Datos clave
| Aspekt | Details |
| :———————- | :———————————————————————- |
| Ort | Herat, West-Afghanistan |
| Vorgehen der Taliban | Festnahmen und Einschüchterungen von Frauen wegen Kleidungsvorschriften |
| Betroffene | Frauen, die keine Ganzkörperschleier tragen |
| Reaktion der UN | Besorgnis über Menschenrechtsverletzungen |

Fuente: Der Spiegel Kultur – https://www.spiegel.de/ausland/afghanistan-taliban-lassen-frauen-ohne-ganzkoerperschleier-festnehmen-a-d00e79e4-2ab7-413c-94d0-b7d2f9848561#ref=rss

Datos clave

Punto Detalle
Fuente Der Spiegel Kultur
Fecha 2026-06-09T00:29:00+00:00
Tema Afghanistan: Taliban lassen Frauen ohne Ganzkörperschleier festnehmen

Quelle

Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-06-09T00:29:00+00:00