Straße von Hormus: Schiffsverkehr nach Abkommen gesunken
Nach einem kurzzeitigen Anstieg ist die Zahl der Schiffe, die die strategisch wichtige Meerenge passieren, wieder deutlich zurückgegangen. Neue Routen werden definiert, während die Unsicherheit für deutsche Reeder bleibt.


Die strategisch wichtige Straße von Hormus verzeichnet nach einer kurzzeitigen Erholung wieder einen Rückgang des Schiffsverkehrs. Dies geschieht im Schatten eines vorläufigen Abkommens zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung eines seit Ende Februar andauernden Konflikts.
Nach Angaben des Schiffsverfolgungsunternehmens Kpler passierten am Freitag lediglich acht Handelsschiffe die Meerenge, ein deutlicher Rückgang gegenüber den mindestens 25 Schiffen, die am Vortag gezählt wurden. Dieser Wert vom Donnerstag stellte die höchste Zahl seit dem 18. April dar. Das Unternehmen AXSMarine bestätigte ebenfalls die 25 Durchfahrten am Donnerstag und wies darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte, da einige Besatzungen ihre Signale manipulieren oder ausschalten, um unbemerkt zu bleiben.
Störung des AIS-Systems
Am Donnerstag wurde die „größte Störung“ der Signale im Automatischen Identifikationssystem (AIS) seit Beginn des Konflikts im Persischen Golf beobachtet. Laut AXSMarine waren mehr als 200 Handelsschiffe gleichzeitig von „Spoofing“, also Signalmanipulationen, oder „abnormalem AIS-Verhalten“ betroffen.
Neue Routen und iranische Auflagen
Die iranische Seefahrtsbehörde hat angekündigt, dass alle Schiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen, 48 Stunden im Voraus einen Antrag stellen müssen. Zudem wurden zwei neue, als „sicher“ deklarierte Schifffahrtsrouten in der Meerenge veröffentlicht. Diese neuen Routen verlaufen südlich der zuvor von Teheran vorgestellten Linien und meiden die enge Meerenge zwischen den iranischen Inseln Qeschm und Larak, die von „Lloyd’s List“ als „Teheraner Mautstelle“ bezeichnet worden war. Sie liegen jedoch weiterhin nördlich der vor dem Krieg genutzten Routen und somit näher am iranischen Hoheitsgebiet.
Auswirkungen des Abkommens
Das vorläufige Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung des Krieges wurde am Mittwochabend von den Präsidenten Masoud Pezeshkian und Donald Trump unterzeichnet. Während einer 60-tägigen Verhandlungsperiode sollen nun die Details für ein endgültiges Friedensabkommen geklärt werden.
Vor dem Krieg passierten laut „Lloyd’s List“ täglich etwa 120 Schiffe die Straße von Hormus. Ökonomen schätzen, dass in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases (LNG) über diese Route transportiert wurde.
Lage für deutsche Reeder
Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) stecken derzeit mehr als 500 Handelsschiffe im Persischen Golf fest. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass die rund 45 Schiffe deutscher Unternehmen vorerst nicht aus der Region auslaufen können. Eine Sprecherin der Reederei Hapag-Lloyd erklärte, dass die vier im Persischen Golf befindlichen Charterschiffe des Unternehmens auf eine Passage vorbereitet würden, aber erst fahren würden, wenn die Sicherheit gewährleistet sei. Die Entscheidung hänge von den Details und der Umsetzung der Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran sowie von der fortlaufenden Einschätzung der Sicherheitslage ab.
Wichtige Fakten
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Schiffsverkehr (Freitag) | 8 Handelsschiffe passierten die Straße von Hormus. |
| Schiffsverkehr (Donnerstag) | Mindestens 25 Handelsschiffe, höchster Wert seit 18. April. |
| AIS-Störung | Massive Störung der Schiffsidentifikationssignale am Donnerstag, über 200 betroffene Schiffe. |
| Neue Routen | Iran hat zwei neue „sichere“ Routen definiert, die von den bisherigen abweichen. |
| Deutscher Schiffsverkehr | Ca. 45 deutsche Schiffe stecken im Persischen Golf fest, Weiterfahrt unsicher. |
Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus sind für die globale Wirtschaft und insbesondere für die Energieversorgung von entscheidender Bedeutung. Schwankungen im Schiffsverkehr und Unsicherheiten bezüglich der Sicherheit haben direkte Auswirkungen auf die Transportkosten und die Verfügbarkeit von Öl und LNG. Für deutsche Reeder bedeutet die anhaltende Situation eine erhebliche Belastung und erfordert sorgfältige Abwägung der Risiken bei jeder Routenplanung. Die genaue Umsetzung des Abkommens und die weitere Entwicklung der Sicherheitslage werden maßgeblich darüber entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen der Schiffsverkehr wieder ein annähernd normales Volumen erreicht.
Quelle: Der Spiegel Kultur (https://www.spiegel.de/ausland/strasse-von-hormus-zahl-der-durchfahrten-wieder-gesunken-a-ba323d34-07b5-44a1-9a3d-2b9312f7e6b6#ref=rss)
Quelle
Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-06-19T22:38:00+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
