Der Fall M. Night Shyamalan: Ein Regisseur zwischen Genie und Scheitern – Rückkehr mit „Trap“?
M. Night Shyamalan polarisiert wie kaum ein anderer Regisseur. Nach Höhenflügen wie "The Sixth Sense" folgten oft enttäuschende Werke. Sein neuer Film "Trap" verspricht eine Rückkehr zu alten Stärken. Eine Einordnung seiner Karriere und der Erwartungen an sein neuestes Werk.


Der Achterbahnfahrt-Regisseur: M. Night Shyamalan und die Erwartungen an „Trap“
M. Night Shyamalan ist ein Name, der in der Filmwelt selten Gleichgültigkeit hervorruft. Entweder man liebt seine oft unkonventionellen Thriller und ihre berüchtigten Twists, oder man verzweifelt an ihren narrativen Schwächen und logischen Sprüngen. Der indisch-amerikanische Regisseur hat sich über Jahrzehnte einen Ruf als Meister des Überraschungsmoments erarbeitet, der jedoch ebenso oft mit kritischer Ablehnung für spätere Werke konfrontiert wurde wie mit enthusiastischem Lob für seine Frühwerke. Mit seinem neuesten Film „Trap“, der im Sommer 2024 in die deutschen Kinos kommen soll, steht er erneut im Rampenlicht. Doch kann „Trap“ eine Rückkehr zu alter Form bedeuten und die Kritiker verstummen lassen?
Ein Blick zurück: Vom Wunderkind zum Wackelkandidaten
Shyamalans Karriere begann fulminant. Sein Durchbruch gelang ihm 1999 mit dem Psychothriller „The Sixth Sense“, der nicht nur ein Kassenschlager wurde, sondern auch sechs Oscar-Nominierungen erhielt und für seinen Schock-Twist weltberühmt wurde. Es folgten weitere Erfolge wie „Unbreakable“ (2000) und „Signs“ (2002), die seinen Ruf als „Meister des Suspense“ festigten. Seine Filme zeichneten sich durch eine besondere Atmosphäre, oft übernatürliche Elemente und eben jene unerwarteten Wendungen aus, die zu seinem Markenzeichen wurden.
Doch ab Mitte der 2000er Jahre begann eine Phase, in der Shyamalan mit seinen Werken zunehmend aneckte. Filme wie „Das Mädchen aus dem Wasser“ (2006), „The Happening“ (2008) oder „Die Legende von Aang“ (2010) wurden sowohl von der Kritik als auch vom Publikum überwiegend negativ aufgenommen. Man warf ihm vor, seine eigenen Formeln zu wiederholen oder schlichtweg die Kontrolle über seine Geschichten zu verlieren. Die Erwartungen an seine Filme sanken, und der Name Shyamalan wurde fast schon zum Synonym für eine mögliche Enttäuschung.
Erst mit „The Visit“ (2015) und insbesondere „Split“ (2016) gelang ihm eine Art Comeback. „Split“ wurde für seine intensive Atmosphäre und James McAvoy’s schauspielerische Leistung gelobt und bewies, dass Shyamalan immer noch in der Lage war, packende Genre-Filme zu inszenieren. Der Abschluss seiner „Unbreakable“-Trilogie mit „Glass“ (2019) konnte jedoch nicht alle Erwartungen erfüllen und hinterließ ein gespaltenes Publikum.
„Trap“: Was wissen wir bisher? (Quellencheck)
„Trap“ wird von Warner Bros. vertrieben und soll am 8. August 2024 in den deutschen Kinos starten. Der offizielle Trailer, der im April 2024 veröffentlicht wurde, gibt bereits erste Einblicke in die Handlung und den Ton des Films. Laut Warner Bros. handelt es sich um einen Thriller, der während eines Konzerts spielt. Die zentrale Figur, gespielt von Josh Hartnett, entdeckt, dass er in eine Falle getappt ist. Der Trailer deutet an, dass Hartnetts Charakter ein gesuchter Serienmörder sein könnte, der auf dem Konzert von der Polizei in eine Falle gelockt wird. Oder ist die Falle für ihn selbst gedacht? Die typische Shyamalan’sche Mehrdeutigkeit ist bereits hier spürbar.
Der Regisseur selbst beschreibt „Trap“ als einen Film, der in Echtzeit spielt und sehr klaustrophobisch sein soll. Dies ist ein interessanter Ansatz, der seine Stärken in der Erzeugung von Spannung ausspielen könnte. Die Besetzung umfasst neben Josh Hartnett auch Shyamalans Tochter Saleka als Popstar Lady Raven, die eine zentrale Rolle im Konzert-Setting spielt.
Offizielle Quellen bestätigen
Deutscher Kinostart: 8. August 2024 (Warner Bros. Deutschland)
* Genre: Thriller
* Regie und Drehbuch: M. Night Shyamalan
* Verleih: Warner Bros.
* Hauptdarsteller: Josh Hartnett (als Vater, der mit seiner Tochter ein Konzert besucht), Saleka Shyamalan (als Popstar Lady Raven)
* Handlungskern: Ein Mann entdeckt auf einem Konzert, dass er in eine Falle geraten ist.
Kritiker-Einordnung und offene Fragen
Die ersten Reaktionen auf den Trailer von „Trap“ sind gemischt, aber überwiegend neugierig. Viele Branchenmedien wie *The Hollywood Reporter* und *Filmstarts* heben hervor, dass der Film das Potenzial hat, an Shyamalans frühere Erfolge anzuknüpfen, insbesondere durch die scheinbar reduzierte und fokussierte Erzählweise. Der Twist scheint hier nicht am Ende, sondern bereits am Anfang des Films zu liegen, was eine neue Dynamik verspricht.
Was die Kritik und Fachmedien ergänzen
Früher Twist: Anders als gewohnt scheint der zentrale Twist des Films bereits früh enthüllt zu werden, was eine andere Art von Spannung aufbauen könnte.
* Echtzeit-Erzählung: Der Film soll sich weitestgehend in Echtzeit abspielen, was die Immersion und das Gefühl der Klaustrophobie verstärken könnte.
* Josh Hartnett Comeback: Für Josh Hartnett könnte dies eine weitere wichtige Rolle nach Erfolgen wie „Oppenheimer“ sein.
Was bislang unbekannt bleibt / offene Fragen
FSK-Freigabe: Eine offizielle Altersfreigabe für Deutschland steht noch aus.
* Internationale Kritikerreaktionen: Da der Film noch nicht gezeigt wurde, gibt es noch keine Kritiken außerhalb der Trailer-Analysen.
* Der „wahre“ Twist: Auch wenn der Trailer einen frühen Twist andeutet, bleibt die Frage, ob Shyamalan nicht doch noch eine Überraschung für das Ende bereithält. Es wäre untypisch, wenn er ganz auf seine Signature-Wendung verzichten würde.
* Qualität der Musik: Da ein Konzert eine zentrale Rolle spielt, ist die Qualität und Integration der Musik von Saleka Shyamalan entscheidend.
Lohnt sich „Trap“ für das deutsche Publikum? (Vorschau)
„Trap“ verspricht ein packender Thriller zu werden, der auf den ersten Blick einige der Stärken von M. Night Shyamalan wieder aufgreift: eine beklemmende Atmosphäre, unerwartete Enthüllungen und eine psychologisch interessante Prämisse. Für Fans seiner früheren Werke, insbesondere jener, die „Split“ oder „The Visit“ mochten, könnte „Trap“ ein Pflichttermin im Kino sein.
Die Idee, einen Thriller in Echtzeit während eines Konzerts zu erzählen, bietet viel Potenzial für Hochspannung. Wenn Shyamalan es schafft, die Handlung straff und glaubwürdig zu halten, ohne sich in unlogischen Wendungen zu verlieren, könnte „Trap“ eine willkommene Abwechslung im Genre sein. Auch Josh Hartnett in einer potenziell vielschichtigen Rolle ist ein Anreiz.
Allerdings bleibt die Skepsis gegenüber Shyamalans neueren Arbeiten bestehen. Seine Filme sind oft ein Glücksspiel. Der frühe Reveal des Twists im Trailer könnte entweder ein Geniestreich sein, der eine neue Art von Suspense ermöglicht, oder aber die Spannung zu früh entladen. Das deutsche Publikum, das seine Höhen und Tiefen miterlebt hat, wird genau hinschauen.
Kino6 Community Checkliste: „Trap“ – Was erwartet uns?
- Genre: Psychologischer Thriller mit Mystery-Elementen
- Regie: M. Night Shyamalan (bekannt für Twists und atmosphärische Spannung)
- Besetzung: Josh Hartnett, Saleka Shyamalan (als Popstar Lady Raven)
- Deutscher Start: August 2024 (bestätigt von Warner Bros.)
- Handlungskern: Vater und Tochter auf einem Konzert, bei dem der Vater in eine Falle gerät.
- Besonderheit: Angeblich spielt der Film in Echtzeit und der „Twist“ wird früh enthüllt.
- Potenzial: Rückkehr zu alter Stärke, packende Spannung durch klaustrophobische Atmosphäre.
- Risiko: Gefahr von Logiklöchern, unbefriedigender Auflösung, erneute Enttäuschung.
- Zielgruppe: Fans von Shyamalans früheren Werken, Thriller-Liebhaber, die Überraschungen mögen.
Am Ende bleibt abzuwarten, ob M. Night Shyamalan mit „Trap“ seinen Ruf als Visionär festigen kann oder erneut eine gespaltene Reaktion hervorruft. Für deutsche Kinogänger, die bereit sind, sich auf seine oft eigenwillige Erzählweise einzulassen, könnte „Trap“ jedoch ein spannendes Kinoerlebnis bieten.
Jonas Richter
Film- und Branchenkolumnist
