Flüssigerdgas wird zur dominierenden Energiequelle in Europa
Energieexperten prognostizieren einen signifikanten Anstieg des Flüssigerdgasanteils im europäischen Energiemix, der bis 2029 über 50 Prozent erreichen soll.


Energieexperten erwarten, dass Flüssigerdgas (LNG) in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle in der Gasversorgung Europas spielen wird. Aktuellen Prognosen zufolge könnte LNG bereits bis 2029 mehr als die Hälfte des Gasaufkommens in den großen europäischen Gasmärkten ausmachen.
Anteil im Gasmix steigt
Laut Andreas Schröder, Gasmärkte-Experte beim Analysehaus ICIS, wird der Anteil von Flüssiggas im Gasmix von West- und Zentraleuropa von 44 Prozent im Vorjahr auf voraussichtlich 47 Prozent im Jahr 2027 ansteigen. Für das Jahr 2029 wird sogar ein Anteil von 52 Prozent prognostiziert. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch eine weltweite Ausweitung des LNG-Angebots, insbesondere aus Nordamerika, vorangetrieben. Schröder zufolge ist diese Angebotssteigerung so stark, dass sie temporäre Lieferausfälle Katars schnell kompensieren und die Preise für Flüssiggas auf einem niedrigen Niveau halten dürfte.
Die Analyse von ICIS umfasst zwölf Länder: Großbritannien sowie die EU-Mitgliedstaaten Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien, Polen, Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn. LNG steht für "Liquefied Natural Gas", also verflüssigtes Erdgas.
Deutsche Energiekonzerne engagiert
Mehrere deutsche Energiekonzerne sind aktiv am globalen Handel mit LNG beteiligt. Dazu zählen vor allem Sefe (ehemals Gazprom Germania), Uniper und RWE. Sefe hat nach eigenen Angaben sechs LNG-Gastanker gechartert und verfügt über LNG-Lieferverträge mit Produzenten aus den USA, Westafrika, Südamerika, dem Nahen Osten und Ostasien. Ein Sprecher von Sefe erklärte, dass das Unternehmen auch weiterhin LNG aus einem Altvertrag mit dem russischen Produzenten Yamal bezieht, obwohl russische LNG-Lieferungen ab dem 1. Januar 2027 unter EU-Sanktionen und einem Importverbot stehen werden. Die Hauptmärkte für Sefe sind Europa und Indien. Im Jahr 2025 lieferte das Unternehmen rund 180 Schiffsladungen an Kunden.
Uniper, ein weiterer bedeutender Akteur, handelte im Jahr 2025 etwa 167 LNG-Schiffsladungen und hat derzeit vier Schiffe gechartert. Niels Fenzl, bei Uniper für den LNG-Ein- und Verkauf sowie die Infrastruktur zuständig, merkte an, dass das Unternehmen vor der Krise 2022 bei 360 Ladungen pro Jahr lag. Uniper strebt danach, sein LNG-Portfolio wieder auf das frühere Niveau zu steigern oder sogar darüber hinaus zu entwickeln. Langfristige Abnahmeverträge bestehen laut Fenzl unter anderem für Gas aus den USA und Australien.
Auch RWE hat im vergangenen Jahr rund neun Millionen Tonnen LNG geliefert, was rechnerisch etwa 144 Schiffsladungen entspricht. Eine Sprecherin des Unternehmens erläuterte, dass RWE langfristig LNG aus Australien (Woodside) und künftig auch aus den USA bezieht, mit der Perspektive, auch LNG aus dem Nahen Osten zu beziehen. Das in den USA beschaffte LNG fließt derzeit hauptsächlich nach Europa, während australisches LNG vorwiegend nach Asien geliefert wird. RWE verfügt über keine eigenen Schiffe, sondern chartert Transportkapazitäten je nach Bedarf.
Auswirkungen auf den Energiemarkt
Die steigende Bedeutung von LNG für Europa hat weitreichende Implikationen für die Energieversorgungssicherheit und die Preisgestaltung. Die Diversifizierung der Gasquellen reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und kann zu stabileren Preisen beitragen. Für deutsche Energiekonzerne und damit indirekt auch für die Verbraucher bedeutet dies eine Anpassung an neue Marktbedingungen und eine verstärkte globale Vernetzung in der Energiebeschaffung. Die Entwicklung unterstreicht die fortlaufende Transformation des europäischen Energiemarktes im Angesicht globaler geopolitischer und wirtschaftlicher Veränderungen.
Datos clave
| Merkmal | Beschreibung |
|—|—|
| Prognostizierter LNG-Anteil 2029 | Über 52 Prozent |
| Haupttreiber | Globale Ausweitung des LNG-Angebots (Nordamerika) |
| Beteiligte deutsche Konzerne | Sefe, Uniper, RWE |
| Wichtige Lieferregionen | USA, Westafrika, Südamerika, Naher Osten, Ostasien, Australien |
Fuente: zeit.de – https://www.zeit.de/news/2026-06/04/prognose-immer-mehr-fluessigerdgas-transporte-nach-europa
Datos clave
| Punto | Detalle |
|---|---|
| Fuente | zeit.de |
| Fecha | 2026-06-04T02:30:07+00:00 |
| Tema | Gasversorgung: Prognose: Immer mehr Flüssigerdgas-Transporte nach Europa |
Quelle
zeit.de Originalveroeffentlichung: 2026-06-04T02:30:07+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
