Bayreuther Festspiele: Veranstaltung mit Michel Friedman findet nach Entschuldigung statt
Nach anfänglicher Absage und Kritik: Katharina Wagner entschuldigt sich bei Michel Friedman, die geplante Veranstaltung zum Thema Antisemitismus soll nun wie geplant durchgeführt werden.


Die künstlerische Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, hat sich in einem Brief beim jüdischen Publizisten Michel Friedman entschuldigt. Dies teilte sie im Anschluss an eine breite Kritikwelle mit, die nach der Absage einer geplanten Veranstaltung ausgelöst wurde. Die Veranstaltung, bei der Friedman über Antisemitismus und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit sprechen sollte, soll nun doch wie geplant stattfinden.
Entschuldigung und Umdenken
In einem Brief an Friedman, aus dem die Süddeutsche Zeitung (SZ) zitiert, schrieb Wagner: „Es tut mir wirklich sehr leid.“ Zuvor war von einer Verschiebung aus Sicherheitsgründen die Rede gewesen, eine Begründung, an der Zweifel bestanden. Michel Friedman hatte sich daraufhin kritisch geäußert und erklärt: „Ich mag es nicht, wenn man die Öffentlichkeit und mich für dumm verkauft.“
Wagner sicherte Friedman in ihrem Schreiben zu, den Termin wie ursprünglich vorgesehen abzuhalten. Friedman nahm die Entschuldigung laut SZ an und sagte: „Ich finde ihre Worte des Bedauerns an mich ernsthaft und glaubwürdig, und ich nehme ihre persönliche Bitte um Entschuldigung gerne an.“ Er fügte hinzu: „Wenn sich jemand bewegt, sollte man sich mitbewegen.“
Kritik und politische Reaktionen
Die anfängliche Absage und die damit verbundene Begründung hatten eine breite Debatte ausgelöst und erheblichen Widerspruch hervorgerufen. Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (CSU), bezeichnete den Umgang der Festspiele mit dem Thema als „mehr als unglücklich“ und forderte eine Lösung. Auch der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle wies den Vorgang zurück.
Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußerte sich tief enttäuscht. Sie nannte die Absage „auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung“. Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern schloss sich dieser Einschätzung an.
Bedeutung für die Kulturlandschaft
Die Entscheidung, die Veranstaltung mit Michel Friedman nun doch durchzuführen, signalisiert ein Bemühen, auf die Kritik zu reagieren und einen offenen Dialog zu ermöglichen. Die Bayreuther Festspiele stehen damit im Fokus einer Debatte über den Umgang mit sensiblen Themen wie Antisemitismus im kulturellen Kontext. Die schnelle Kehrtwende nach öffentlichem und politischem Druck unterstreicht die Bedeutung solcher Themen für die deutsche Kulturlandschaft und die Erwartungen an eine offene und kritische Auseinandersetzung.
Wichtige Fakten
| Tatsache | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | Rede von Michel Friedman über Antisemitismus und NS-Vergangenheit |
| Ort | Bayreuther Festspiele |
| Ursprüngliche Entscheidung | Absage bzw. Verschiebung |
| Reaktion | Kritik von Michel Friedman, Politik und jüdischen Organisationen |
| Aktueller Stand | Entschuldigung von Katharina Wagner, Veranstaltung findet wie geplant statt |
| Beteiligte Persönlichkeiten | Katharina Wagner, Michel Friedman, Markus Blume, Ludwig Spaenle, Charlotte Knobloch |
Die Entwicklung ist relevant für die Leser von Kino6 Community, da sie zeigt, wie sich namhafte Kulturinstitutionen mit gesellschaftlich relevanten Debatten auseinandersetzen und wie öffentlicher Druck zu Kurskorrekturen führen kann. Die Bayreuther Festspiele sind ein kulturelles Aushängeschild, und die Art und Weise, wie sie mit kontroversen Themen umgehen, hat Signalwirkung.
Quelle: ZEIT Kultur – https://www.zeit.de/feuilleton/2026-06/bayreuther-festspiele-michel-friedman-katharina-wagner-entschuldigung-antisemitismus
Quelle
ZEIT Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-06-19T00:04:50+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
