Israelische Minister drohen Gaza-Dokumentarfilmern mit Staatsbürgerschaftsentzug nach Venedig-Preis
Nach dem Gewinn des Spezialpreises der Jury in Venedig fordern israelische Minister den Entzug der Staatsbürgerschaft für die Regisseure Rachel Szor und Yuval Abraham. Der Dokumentarfilm "Naza" sorgt mit anonymen Whistleblower-Aussagen über die israelische Armee für politischen Sprengstoff.


Politische Konsequenzen für Filmemacher in Venedig
Die Filmfestspiele von Venedig endeten in diesem Jahr nicht nur mit Preisen, sondern auch mit einer politischen Eskalation. Die israelische Regierung reagiert scharf auf die Auszeichnung der Gaza-Dokumentation „Naza“. Kulturminister Miki Zohar und Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir fordern den Entzug der Staatsbürgerschaft für die Regisseure Rachel Szor und Yuval Abraham.
Der Fall zeigt, wie ein Filmpreis weit über die Kinoleinwand hinaus politische Wellen schlagen kann. Für das deutsche Kinopublikum und die Branche wirft er grundsätzliche Fragen zur Meinungsfreiheit und zur Rolle von Dokumentarfilmen in politischen Konflikten auf.
Wichtige Fakten
| Fakt | Detail |
|——|——–|
| Film | „Naza“, Dokumentation über mutmaßliche Kriegsverbrechen in Gaza |
| Auszeichnung | Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig |
| Regisseure | Rachel Szor und Yuval Abraham |
| Reaktion | Israels Kulturminister fordert Entzug der Staatsbürgerschaft |
Die Vorwürfe des Kulturministers
Kulturminister Miki Zohar bezeichnete die Regisseure am Sonntag auf der Plattform X als „Verräter am Staat Israel“. Er schrieb, sie seien bereit, „ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten“. Zohar kündigte an, „unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen“, um Szor und Abraham die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir schloss sich der Kritik an. Auf X richtete er sich direkt an die Filmemacher: „Ihr seid eine Schande und eine Blamage für das gesamte israelische Volk. Verschwindet!“ Die scharfen Worte zeigen die tiefe politische Spaltung, die der Film in Israel ausgelöst hat.
Der Inhalt des Films und die Reaktion der Armee
„Naza“ wurde am Samstag in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Die Premiere war von 25-minütigen stehenden Ovationen begleitet worden. Kritiker lobten den Film international als mutiges Werk.
In der Dokumentation berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstmitarbeiter anonym über die Tötung palästinensischer Zivilisten durch die israelische Armee im Gazastreifen. Die israelische Armee wies die Vorwürfe am Freitag zurück. Sie erklärte, die Dokumentation stütze sich auf Whistleblower, deren Identität „nicht verifiziert“ werden könne.
Rechtliche Grundlage für den Staatsbürgerschaftsentzug
Der Entzug der Staatsangehörigkeit ist in Israel rechtlich möglich, wird aber selten angewendet. Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2022, dass ein solcher Schritt möglich sei, wenn die Beschuldigten durch Spionage oder Verrat ihre „Loyalität“ gegenüber dem Staat gebrochen haben. 2023 wurde das Gesetz auf „Terror“-Delikte ausgeweitet.
Für einen Entzug der Staatsbürgerschaft ist ein mehrstufiges Verfahren nötig: Der Innenminister muss den Antrag stellen, der Justizminister muss ihn genehmigen, und ein Richter muss die Entscheidung bestätigen. Ob die Regierung diesen Schritt tatsächlich vollziehen wird, bleibt abzuwarten.
Bedeutung für das deutsche Kinopublikum
Der Fall „Naza“ ist für das deutsche Kinopublikum und die Filmbranche relevant, weil er die wachsende Polarisierung um den Nahostkonflikt auf der internationalen Festivalbühne zeigt. Deutsche Filmfestivals und Verleiher stehen zunehmend vor der Herausforderung, politisch sensible Werke zu zeigen, ohne in diplomatische Konflikte verwickelt zu werden.
Der Film könnte in den kommenden Monaten auch in deutschen Kinos anlaufen. Die Auseinandersetzung in Israel wird die Debatte hierzulande über die Grenzen der Meinungsfreiheit und die Verantwortung von Filmemachern weiter anheizen.
Quelle: Der Spiegel Kultur (https://www.spiegel.de/ausland/israel-minister-wollen-regisseuren-von-gaza-dokumentation-die-staatsbuergerschaft-entziehen-a-8e767b75-a750-42a9-ae95-104c666492f6)
Datos clave
| Punto | Detalle |
|---|---|
| Fuente | Der Spiegel Kultur |
| Fecha | 2026-09-13T22:02:00+00:00 |
| Tema | Israel: Minister wollen Regisseuren von Gaza-Dokumentation die Staatsbürgerschaft entziehen |
Quelle
Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-09-13T22:02:00+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
