Venedig kassiert über fünf Millionen Euro Eintrittsgeld – was das für das Filmfestival bedeutet
Venedig zieht Bilanz: Mehr als fünf Millionen Euro haben Tagesbesucher seit April an Eintritt gezahlt. Die Bezahlsaison ist vorbei – doch für das kommende Jahr plant der Bürgermeister eine drastische Erhöhung. Auch das Venice Film Festival könnte betroffen sein.


Venedig hat die erste Bezahlsaison für Tagesbesucher abgeschlossen. Seit April mussten Kurzbesucher an 60 Tagen Eintritt zahlen – insgesamt kamen mehr als fünf Millionen Euro zusammen. Die Lagunenstadt will damit den Massentourismus in den Griff bekommen. Für das Venice Film Festival, das im September beginnt, hat das in diesem Jahr keine direkten Auswirkungen, doch Bürgermeister Simone Venturini plant für 2027 eine deutliche Erhöhung.
Einnahmen und Besucherzahlen
Am zurückliegenden Wochenende endete der diesjährige Eintrittszeitraum. Die Stadt meldete über 650.000 zahlende Tagesbesucher. In der Regel lag die Gebühr bei zehn Euro; wer mindestens drei Tage vor der Ankunft buchte, zahlte nur fünf Euro. Offiziell handelt es sich noch um eine Testphase, doch kaum jemand in Venedig zweifelt daran, dass die Regelung dauerhaft bestehen bleibt. Die Stadt mit ihren mehr als 150 Kanälen leidet massiv unter den Millionen Touristen pro Jahr, während in der Altstadt weniger als 50.000 Einwohner leben.
Wichtige Fakten
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Einnahmen durch Eintrittsgeld (April–Juli 2026) | über 5 Mio. Euro |
| Anzahl zahlender Tagesbesucher | über 650.000 |
| Übliche Gebühr | 10 Euro (5 Euro bei Vorabbuchung) |
| Vorgeschlagene Erhöhung (Bürgermeister Venturini) | 30–50 Euro an bestimmten Tagen |
Bürgermeister will Eintritt drastisch erhöhen
Der neue Mitte-Rechts-Bürgermeister Simone Venturini hat bereits angekündigt, dass es künftig deutlich teurer werden könnte. An besonders stark frequentierten Terminen schlägt er eine Gebühr von 30 bis 50 Euro vor. Die Entscheidung liegt jedoch nicht allein in Venedig – auch die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom müsste zustimmen. Zudem gibt es verfassungsrechtliche Bedenken: Experten sehen in einer Gebühr von 50 Euro eine mögliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit.
Venedig hatte 2014 als erste Stadt weltweit begonnen, für einen Besucher Eintritt zu verlangen. Kritiker wenden ein, dass die Gebühr kaum jemanden abschreckt – die Besucherzahlen sind bislang nicht zurückgegangen.
Was bedeutet das für das Filmfestival?
Das Venice Film Festival, eines der wichtigsten Ereignisse der Filmbranche, findet jedes Jahr im September statt. In diesem Jahr fällt es bereits in die gebührenfreie Zeit: Von August bis Jahresende können Tagesgäste wieder kostenlos in die Stadt. Wer im Hotel übernachtet, zahlt ohnehin die Übernachtungsabgabe und ist vom Tageseintritt befreit.
Für die kommenden Jahre könnte sich das ändern, wenn Venturinis Plan umgesetzt wird. Das Festival lockt jedes Jahr Tausende Besucher aus der Filmbranche und aus dem Publikum an – viele davon reisen nur für einen Tag an. Eine Erhöhung auf 30 oder 50 Euro würde besonders Kinobesucher treffen, die für eine einzelne Premiere oder einen Tag auf dem Lido kommen. Bislang ist unklar, ob das Festival selbst oder die Stadt Venedig Sonderregelungen für Festivalbesucher plant.
Ausblick
Die Debatte um den Eintrittspreis wird Venedig noch lange beschäftigen. Die Stadt sucht nach Wegen, den Tourismus zu lenken, ohne die Attraktivität zu gefährden. Für das Filmfestival könnte die Gebühr ab 2027 zu einem neuen Kostenfaktor werden – es sei denn, die Veranstalter handeln eine Ausnahme aus. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Bürgermeister seine Pläne durchsetzen kann.
Quelle: Der Spiegel, https://www.spiegel.de/wirtschaft/venedig-tagestouristen-bringen-mehr-als-fuenf-millionen-euro-eintrittsgeld-a-fa80db1a-2965-4b73-9534-f7809642228f
Quelle
Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-07-27T06:20:00+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
