Berliner CSD nach Attacke abgebrochen: Polizei fahndet nach Abdul B. – Auswirkungen auf die Kultur- und Filmszene
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin sucht die Polizei den 21-jährigen Abdul B. Der CSD wurde abgebrochen, der Kultur- und Filmbetrieb in der Stadt steht unter Schock. Eine Tote, 16 Verletzte – die Ermittler warnen vor dem flüchtigen Verdächtigen.


Der Christopher Street Day in Berlin endete am vergangenen Wochenende mit einer Tragödie. Während der Parade im Tiergarten fuhr ein Auto in eine Menschengruppe. Eine Frau starb, 16 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen lebensbedrohlich. Der CSD wurde sofort abgebrochen. Die Polizei fahndet öffentlich nach einem 21-jährigen Verdächtigen: Abdul B. Er soll der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet werden und war bereits polizeibekannt. Die Behörden warnen davor, den Mann anzusprechen – er sei möglicherweise bewaffnet und gefährlich.
Der Anschlag erschüttert nicht nur die queere Community, sondern auch die Berliner Kultur- und Filmbranche. Der CSD ist eine der größten öffentlichen Veranstaltungen der Stadt und zieht jedes Jahr Hunderttausende Besucher an, darunter viele Filmschaffende, Künstler und Kulturschaffende. Zahlreiche Filmvorführungen, Partys und Begleitveranstaltungen wurden abgesagt. Die Berlinale, das Filmfestival und andere Institutionen zeigten sich bestürzt und solidarisierten sich mit den Opfern.
Der Ablauf der Tat
Nach Angaben der Polizei war ein Wagen auf dem Ahornsteig, einem Weg im Tiergarten, parallel zur Lennéstraße unterwegs. Dort wurden mehrere Menschen angefahren, möglicherweise auch überfahren. Anschließend kollidierte das Auto mit einem Baum. Ob es danach noch einen Angriff mit einer Stichwaffe gab, wird derzeit untersucht – Zeugen hatten davon berichtet. Das stark demolierte Fahrzeug wurde am Tatort sichergestellt. Ob Abdul B. tatsächlich am Steuer saß, ist noch nicht bestätigt.
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz: Mehrere hundert Beamtinnen und Beamte, teils schwer bewaffnet, durchkämmen die Stadt. Hubschrauber mit Wärmekameras sind im Einsatz. Im Stadtteil Schöneberg wurde eine Wohnung durchsucht, die jedoch leer war. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet, auf dem Zeugen Videos und Fotos hochladen können.
Der Verdächtige: Abdul B.
Abdul B. ist 21 Jahre alt, schwarzhaarig, schlank und etwa 1,90 Meter groß. Bei der Tat trug er nach Zeugenangaben einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose. Er war bereits polizeibekannt und wurde erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen. Nach SPIEGEL-Informationen soll der Mann mit der Terrororganisation Islamischer Staat sympathisiert haben. Die Behörden rechnen ihn der islamistischen Szene in Berlin zu. Ob es weitere Tatverdächtige gibt, ist unklar.
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Wer Abdul B. sieht, soll nicht selbst eingreifen, sondern sofort den Notruf 110 wählen.
Auswirkungen auf die Kultur- und Veranstaltungsszene
Der Berliner CSD ist nicht nur eine Demonstration für die Rechte queerer Menschen, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Ereignis. Zahlreiche Kinos, Clubs und Kulturorte hatten Begleitprogramme organisiert: Filmreihen, Konzerte, Partys und Diskussionsveranstaltungen. Viele davon wurden nach der Attacke abgesagt oder verschoben. Die Berliner Filmcommunity, die traditionell eng mit der CSD-Bewegung verbunden ist, reagierte mit Bestürzung.
Mehrere bekannte Filmschaffende und Künstler äußerten sich in sozialen Medien und riefen zu Spenden für die Opfer auf. Auch die Berlinale, das Filmfestival der Stadt, veröffentlichte eine Stellungnahme: Der Anschlag treffe das Herz der Berliner Kultur und der queeren Gemeinschaft. Man werde bei der nächsten Ausgabe des Festivals der Opfer gedenken.
Die Sicherheitslage bei Großveranstaltungen in Berlin wird nun neu bewertet. Der CSD war bereits nach dem Anschlag auf den Breitscheidplatz im Jahr 2016 mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet worden. Ob diese ausgereicht haben, wird derzeit geprüft.
Was noch unklar ist
Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Folgende Punkte sind derzeit nicht geklärt:
- Wer genau das Fahrzeug gesteuert hat
- Ob es weitere Tatverdächtige oder Mittäter gibt
- Ob der Angriff mit einer Stichwaffe tatsächlich stattfand
- Welches genaue Motiv hinter der Tat steht
- Ob der CSD in den kommenden Jahren mit verschärften Auflagen stattfinden kann
Die Behörden haben angekündigt, die Öffentlichkeit über neue Entwicklungen zu informieren. Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung.
Tabelle: Die Fakten im Überblick
| Kategorie | Detail |
|---|---|
| Datum | Juli 2026 |
| Ort | Berlin-Tiergarten, Ahornsteig / Lennéstraße |
| Veranstaltung | Christopher Street Day (CSD) |
| Opfer | 1 Tote, 16 Verletzte (3 lebensbedrohlich, 8 schwer, 5 leicht) |
| Tatverdächtiger | Abdul B., 21 Jahre, polizeibekannt, islamistische Szene |
| Status | Auf der Flucht, nicht ansprechen, Notruf 110 |
| Ermittlungsbehörde | Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin |
| Besondere Maßnahmen | Hubschrauber mit Wärmekameras, Hinweisportal, Wohnungsdurchsuchung |
Quelle: Der Spiegel Kultur – https://www.spiegel.de/panorama/justiz/csd-attacke-polizei-fahndet-nach-21-jahre-altem-abdul-b-ermittler-sprechen-von-anschlag-a-ac162921-46ca-44fb-b74e-d97be0382ced#ref=rss
Quelle
Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-07-26T08:33:00+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
