Bahnstrecke Hamburg-Berlin: Sanierung wird deutlich teurer als geplant
Die Modernisierung der wichtigen Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin hat sich erheblich verteuert und kostet nun voraussichtlich 2,7 Milliarden Euro. Probleme bei der Einführung neuer Zugsicherungssysteme und Bauverzögerungen treiben die Kosten in die Höhe.


Die Sanierung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist deutlich teurer geworden als ursprünglich geplant. Aktuell belaufen sich die Gesamtkosten der Modernisierung auf rund 2,7 Milliarden Euro, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Christian Görke hervorgeht. Zuletzt waren die Baukosten auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt worden, zuzüglich eines Risikopuffers von 300 Millionen Euro, der nun ausgeschöpft ist.
Kostenexplosion und neue Probleme
Die erheblichen Mehrkosten sind unter anderem auf wochenlange Bauverzögerungen zurückzuführen. Die Strecke war seit Anfang August für den Fern-, Regional- und Güterverkehr gesperrt. Eigentlich sollte der Korridor bereits Anfang Mai wiedereröffnet werden, doch Frost im Januar und Februar führte zu erheblichen Verzögerungen, da die Arbeiten wegen des gefrorenen Bodens nicht stattfinden konnten. Erst Mitte Juni rollten die Züge wieder.
Ein zentraler Kritikpunkt von Christian Görke ist, dass das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) nicht wie geplant eingebaut werden konnte. Dieses System soll eigentlich für mehr Kapazität auf der Schiene sorgen, indem es eine dichtere Taktung der Züge ermöglicht. Aktuell können die Züge auf der Strecke Hamburg-Berlin aber auch nach der Sanierung nicht mit ETCS fahren. Görke befürchtet, dass dies in fünf bis zehn Jahren zu einer weiteren Großsperrung führen wird, um das System nachrüsten zu können.
Auswirkungen auf Pendler und Güterverkehr
Die monatelangen Sperrungen hatten massive Auswirkungen auf tausende Pendlerinnen und Pendler sowie den Regionalverkehr. Sie mussten über zehn Monate lang auf Ersatzbusse ausweichen und mit erheblichen Einschränkungen leben. Auch im Fernverkehr gab es Umleitungen über Stendal und Uelzen, was zu längeren Fahrzeiten führte. Der Güterverkehr war ebenfalls betroffen.
Kritik am Generalsanierungs-Konzept
Das Konzept der Generalsanierungen, bei dem Strecken für lange Zeit komplett gesperrt werden, steht generell in der Kritik von Branchenkennern. Neben den hohen Kosten werden vor allem die umfassenden Sperrungen bemängelt. Die Bahn verfolgt mit diesem Ansatz das Ziel, bis Mitte der 2030er Jahre Dutzende marode Strecken grundlegend zu sanieren und damit langfristig für eine bessere Infrastruktur zu sorgen.
Wichtige Fakten
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Aktuelle Gesamtkosten | ca. 2,7 Milliarden Euro |
| Ursprüngliche Kostenschätzung | ca. 2,2 Milliarden Euro plus 300 Millionen Euro Risikopuffer |
| Grund für Mehrkosten | Bauverzögerungen (Frost), Probleme bei ETCS-Implementierung |
| Nächste Herausforderung | Mögliche Nachrüstung des ETCS-Systems in 5-10 Jahren |
| Auswirkungen | Lange Sperrungen, Einschränkungen für Pendler, längere Fahrzeiten |
Die Probleme bei der Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, vor denen die Deutsche Bahn bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur steht. Die Notwendigkeit, veraltete Systeme aufzurüsten und gleichzeitig den laufenden Bahnbetrieb aufrechtzuerhalten, führt zu komplexen und kostspieligen Projekten. Die Kritik an der mangelnden Pünktlichkeit und den hohen Kosten im Zusammenhang mit solchen Großprojekten dürfte weiter zunehmen und den Druck auf die Bahn erhöhen, effektivere Lösungen zu finden.
Quelle: Der Spiegel Kultur – Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin deutlich teurer
URL: https://www.spiegel.de/wirtschaft/sanierung-der-bahnstrecke-hamburg-berlin-deutlich-teurer-a-d04196b0-ff44-4605-b58c-4171e3d00643#ref=rss
Quelle
Der Spiegel Kultur Originalveroeffentlichung: 2026-06-26T02:52:00+00:00
Leonie Weber
Kino-News-Redakteurin
